Abirede von Lea Ade

Liebe Mitabiturientinnen und Mitabiturienten,
Liebe Eltern, Angehörige und Freunde,
Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
Liebe Schulleitung,

 

„Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen – man muss auch tun.“  Diese Worte stammen vom Namensgeber  unserer Schule – Johann Wolfgang von Goethe – und ich denke sie passen jetzt sehr gut zum Ende unserer Schulzeit.

Wissen? Ja, das sollte jetzt auf jeden Fall in einem gewissen Maße vorhanden sein. Man sagt, dass man nach dem Abitur den höchsten Stand an Allgemeinwissen im Leben hat.

Der durchschnittliche Abiturient kennt jetzt also ungefähr 10.000 deutsche Wörter, circa 4000 Wörter einer Fremdsprache, 20 chemische Elemente, 40 physikalische Gesetzmäßigkeiten, 100 mathematische Formeln, 15 Epochen der Literatur- und Kunstgeschichte, hat 8 verschiedene Sportarten kennengelernt und mindestens drei Bücher, also die Pflichtlektüren, gelesen.

Doch was bringt dieses Wissen, wenn es nicht angewendet wird? Ich denke, dass wir uns alle während der Schulzeit oft gefragt haben, wann wir jemals in unserem Leben ein Gemälde analysieren, ein Gedicht bis ins letzte Detail interpretieren oder eine Kurvendiskussion durchführen müssen.

Aber vielleicht haben wir uns zu selten gefragt, was das Analysieren, Interpretieren und Diskutieren eigentlich mit uns gemacht hat – und was der Sinn dahinter war. Man hat uns Möglichkeiten aufgezeigt, wie man genau hinschauen und auch hinter die Dinge schauen kann, wie man sich eine Meinung bildet, diese gegenüber anderen verteidigt, aber auch reflektiert ob diese Meinung wirklich die einzig richtige ist oder ob es noch andere gibt. Das gibt uns die Fähigkeit kritisch zu überprüfen, was uns die Massenmedien tagtäglich erzählen und am Ende nicht alles zu glauben.

Wir haben in Fächern, wie Geschichte, Gemeinschaftskunde und Erdkunde gelernt, dass viele Dinge zu komplex sind, um eine einfache Lösung zu finden. Somit sollten wir also jetzt in der Lage sein, nicht den Politiker zu wählen, der mit seinen populistischen Phrasen so tut, als ob die Welt ganz einfach wäre. Die Welt ist komplex und das wird sie immer bleiben. Aber wir durften lernen, wie man damit umgeht, wie man sein Wissen anwendet, um Kompromisse, Lösungen und Wege zu finden.

Klar, oft hat die Schule auch genervt. Es gab stressige Klausurenphasen, während denen wir uns fragten, wofür es überhaupt einen Klausurenplan gibt, wenn am Ende doch alle Klausuren in einer Woche geschrieben werden. Es gab Lehrer mit denen wir nicht klar kamen, weil sie Noten nach Sympathie verteilten. Es gab Technik die gefühlt nie funktionierte und Whiteboards, die einfach mal kurzerhand vor dem mündlichen Abitur abgebaut wurden.

Auch aufgrund solcher nerviger Situationen sind sicher viele von uns froh, dass die Schulzeit jetzt ein Ende hat. Natürlich gab es auch eine ganze Menge schöner Momente und Erlebnisse, aber jetzt beginnt für uns alle ein neuer Lebensabschnitt.

Ich will diese Rede nun dazu nutzen, um vor allem uns Abiturienten, aber auch allen anderen Anwesenden wieder ins Bewusstsein zu rufen, wie privilegiert wir doch sind, dass wir in einem Land leben, in dem wir eine so umfassende Bildung genießen durften. Also lasst uns diese Bildung in die Welt hinaustragen, sie verbreiten und auch etwas sinnvolles damit anfangen! Es genügt jedoch nicht zu wollen, man muss auch tun!

Dankeschön.