Viermal die Traumnote 1,0 und ein Gesamtdurchschnitt von herausragenden 2,0 -

und das nicht wegen, sondern trotz Corona - ein besonders herausragender Abitursjahrgang erhält am GGE seine Abiturszeugnisse in zwei besonders emotionalen Feiern

Groß waren die Herausforderungen für diesen Abitursjahrgang – nicht nur beim Abitur unter Corona-Bedingungen, sondern auch bei der Vorbereitung der Abitursfeier. Eine besondere Feier sollte es sein, eine, die den herausragenden Leistungen des Jahrgangs würdig ist und gleichzeitig den geltenden Corona-Richtlinien genügt.

Und die Feier ist hervorragend gelungen! In zwei festlichen, emotionalen Zeremonien erhielten alle zur Prüfung angetretenen 53 Abiturientinnen und Abiturienten ihr Zeugnis, umrahmt von einem feierlich harmonisch gestalteten Programm. Zwar in halber Gruppenstärke, dafür begleitet von zwei wichtigen Personen und gesehen von ihren zuhause verbliebenen Angehörigen und Freunden, die über einen Livestream miterleben konnten, wie ihre Schützlinge das Schulkapitel ihres Schullebens abschlossen.

„Sehr gelungen! Richtig feierlich!“ war die einhellige Meinung sowohl der Eltern als auch der Abiturienten in Bezug auf ihre Abschlussfeier, die in diesem Rahmen neu, besonders und bisher einzigartig war. So bestätigte auch Schulleiter Dr. Ulrich Schmidt dem Jahrgang in seiner Ansprache, „der erste Corona-Jahrgang“ zu sein, der „unvergessen“ bleibe. Dies geschehe aber nicht nur wegen Corona, sondern wegen der herausragenden Leistungen der Schülerinnen und Schüler: Viermal wurde die Traumnote 1,0 erreicht, acht Preisträger haben einen Notendurchschnitt 1,2 und besser. Insgesamt liegt der Notendurchschnitt im Jahrgang bei „seit ewigen Zeiten nicht mehr“ erreichten 2,0, wie Konrektorin Claudia Cavedon bestätigte, was heißt, dass die Hälfte des Jahrgangs eine Eins vor dem Komma hat.

Dabei sei wichtig hervorzuheben, dass die Leistungen nicht aufgrund eines Corona-Bonus' erreicht worden sind, so Schmidt, denn die Aufgaben des schriftlichen Abiturs seien eher als schwierig bewertet worden. Alle Herausforderungen dieser Zeit im Corona-Ausnahmezustand hätten die AbiturientInnen mit Bravour angenommen und seien deshalb besonders zu beglückwünschen, was mit tosendem Applaus bestätigt wurde.

In seiner Ansprache stellte Schmidt die seiner Ansicht nach besonderen Eigenschaften des Jahrgangs heraus:

Wandel und Entwicklung.

Gäbe es einen Abipreis für „Wandel“, dann könnten viele im Jahrgang diesen Preis erhalten, da sie sich in den letzten Jahren deutlich entwickelt und ihre Persönlichkeit gefunden hätten. Als zweites Merkmal nannte Schmidt das „Querdenken“ des Jahrgangs, der „Queerthemen“ besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe. Als dritten Punkt nannte Schmidt die Diskutierfreudigkeit, die Beharrlichkeit und die Zuverlässigkeit des Jahrgangs. Gerade mit diesen Eigenschaften hätte der Jahrgang dem letzten Abi-Jahrgang noch den Abistreich gerettet, um nun, im eigenen Jahr, wegen Corona bedauerlicherweise keine Abi-Add-ons feiern zu können.

Als „sein“ Abi-Motto für den Jahrgang nannte Schmidt im Anschluss den paradox erscheinenden Satz „Bleibt alles anders“. Im reflektierenden Gang durch die aktuellen Corona-Umstände, die eine historische Zäsur darstellten, und den „Wandel“ als Wesensmerkmal der Welt, filterte Schmidt die Chancen und Risiken der ständigen Fortentwicklung heraus: Bei älteren Menschen mit Lebenserfahrung führte der ständige Wechsel zu einem nachvollziehbarem Wunsch „nach Beständigkeit, nach Dingen, die bleiben und auf die man sich verlassen“ könne, auch wenn dies den Abiturienten in ihrer Situation befremdlich und nicht nachvollziehbar vorkomme.

Die Frage, ob es denn Dinge geben sollte, die bestehen bleiben und nicht zur Disposition stehen sollten, beantwortete Schmidt, indem er Grundfesten in der Entwicklung der Menschlichkeit anführte, beginnend bei den Zehn Geboten über die Magna Charta bis hin zum Grundgesetz der BRD. Dass diese Erklärungen zur Menschlichkeit aber gerade heute weniger denn je selbstverständlich seien, machte Schmidt mit aktuellen Populismus-Beispielen deutlich: Motoren gegen die Menschlichkeit seien die weltweiten Ziele, „Geld zu machen“ und „bequem zu leben“.

Deshalb forderte Schmidt einen „Wandel des Wandels“. Dabei sei es klar, dass dieser nicht von allein und nicht ohne Verzicht und Anstrengung erreicht werden könne, ja dass er geradezu erzwungen werden müsse.

Mit dem abschließenden Bezug auf ein Zitat von Barack Obama appellierte Schmidt an die Abiturienten, dass sie mit ihrer Schulbildung das Rüstzeug erhalten hätten, für Menschlichkeit einzustehen. Auch wenn der Wandel für einen allein zu viel sei, für alle sei er möglich – und gemeinsam zu schaffen.

Auch OB Stefan Schlatterer gratulierte den Abiturientinnen – angepasst an die Coronabedingungen via Videoeinspieler. In seinen Glückwünschen zu den besonderen Leistungen angesichts der Umstände betonte er, wie wichtig es sei, „jetzt ordentlich zu feiern“, was die Feiernden mit einer Sekt-Spende des Vereins der Freunde des GGE direkt umsetzten und freudevoll auf die Abiturienten anstießen.

Traditionellerweise gratulierten auch die Eltern den Abiturienten in Form einer Rede, nicht ohne zu erwähnen, dass auch sie das Abitur „endlich“ geschafft hätten.

Matthias Bissinger und Wolfgang Walk gingen in ihren Reden als Elternvertreter auf die Bedeutung der Umstände des Corona-Jahrgangs ein, dem „nichts geschenkt“ worden sei. Matthias Bissinger wünschte den „Abiturierenden“, neugierig zu bleiben und sich ein Leben lang weiter zu bilden, auch wenn es zu Irrtümern kommen sollte. Dies sei, nehme man Goethe wörtlich, zutiefst menschlich („Es irrt der Mensch, solang' er strebt“). Dieses Streben nach Glück sollten die Abiturienten in Liebe, Achtung und Respekt gegenüber ihren Mitmenschen ausüben und ihre Bodenhaftung nicht verlieren.

An dieses Bild knüpfte Wolfgang Walk in seiner Rede an: Was die Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg mitgeben wollten, seien Wurzeln und Flügel gewesen. Diese Flügel hätten ihre Kinder am „Goethe“ bekommen. Jetzt stünden Flugübungen an, bei denen die Eltern sie weiter unterstützten. Wichtig sei zu erkennen, dass Flügel allein nicht für das Fliegen reichten – der Blick für das Ganze, wie Spannweite, Thermik, Wetter und die Gesetze der Gravitation, gehörte ebenso dazu. Das müsste jetzt von den Abiturienten erlernt werden. Sie sollten von ihren „Höhenflügen sanft runterkommen, alles checken, um danach wieder loszustarten“. Am Schluss appellierte Walk an die Abiturienten, diejenigen nicht zu vergessen, die nicht dieselben Chancen wie sie hätten: Empathie und das Einstehen für andere seien deshalb besonders wichtig.

In den Reden der Abiturienten, Tom Körner und Maren Zehner im ersten Teil und Maurits Brouwers und Tim Stolberg im zweiten Teil, bedankten sich die Redenden bei der Schulleitung, ihren Oberstufenberatern, ihren LehrerInnen, Susanne Ostmann (HuLZ), ihren Eltern und allen anderen, die im Schulleben „vielleicht nicht sichtbar, dafür aber unverzichtbar“ gewesen seien: wie Sekretärinnen, Hausmeister und die Reinigungskräfte, die immer wieder ihren „Saustall“ beseitigt hätten. Speziellen Dank erhielt neben Susanne Ostmann als „Privileg“ an der Schule und „personifizierter Tritt in den Hintern“ auch der Schulleiter: Er habe das Diskussionsgeschick des Jahrgangs mitgeprägt und dürfe sich nicht wundern, wenn eines Tages Politiker aus ihrem Jahrgang zurückkehrten.

In ihren Reden schlugen die Jahrgangsvertreter neben humorvollen Erinnerungen an ihre Schulzeit durchaus auch nachdenkliche und kritische Töne an: Sei es die Heterogenität der Gruppe oder der Konkurrenzkampf untereinander. Geeint blickten aber beide Partien optimistisch in die Zukunft, indem Corona durchaus auch als „Chance, die man nutzen solle“ bewertet wurde. Die Gewissheit überwiegt, dass alle das erreichen könnten, was sie wollen, wenn sie nur daran glauben.

Nachdem sich die Kurse im Anschluss bei ihren KurslehrerInnen bedankt hatten, erfolgte die Vergabe der Zeugnisse und Preise.

Konrektorin Claudia Cavedon hob hervor, dass neben der Zahl der Jahrgangsbesten die besonders hohe Anzahl an Preisen in den Fächern der Latein, Mathematik und Spanisch beeindruckend sind – eine herausragende Leistung des Jahrgangs mit seinen Lehrpersonen am GGE.

Umrahmt wurden die Zeremonien von musikalisch hochkarätigen Einlagen ausgezeichneter MusikerInnen des Jahrgangs, die der Schulgemeinschaft fehlen werden: Mika Holm und Tim Stolberg stimmten die Abiturienten und ihre Begleitung angesichts der besonderen Umstände mit ihrer locker-fröhlichen Interpretation von „Wonderwall“ (Oasis) und „Still standing“ (Elton John) auf einen gelungenen Abend ein und stellten einen Bezug zum Abi-Motto „Abilympia – Dabeisein ist alles“ her.

Vor der Zeugnisvergabe interpretierten Jennifer Brotzmann und Tom Körner „Pachebel's Canon in D-Moll“ von Johann Pachebel so einfühlsam, dass Spannung wie Emotionen geweckt wurden und einige Tränen zu trocknen waren. Mit ihrem stimmungsvollen „I have nothing“ von Whitney Houston setzten Anna-Maria Kaiser und Tami Gibson den berührenden Schlussakkord für die einzigartige, festliche Zeremonie, die nach dem Erhalt des wichtigen Abschlusszeugnisses sicherlich nicht wortwörtlich gemeint war.

Gleich viermal gab es die Traumnote 1,0 zu feiern, die Nabi Bauermeister, Anica Herter, Anna Keßler und Alexander Struve erreichten. Mit Tami Gibson (1,1), Jennifer Brotzmann (1,2), Tim Stolberg (1,2) und Tom Körner (1,2) war die Liste der acht Jahrgangsbesten komplettiert.

Die Preisträger:

Nabi Bauermeister erhielt darüber hinaus den Scheffel-Preis im Fach Deutsch, den Otto-Dix-Preis für das Fach Kunst und den Preis der Stiftung „Humanismus Heute“ für herausragende Leistungen im Fach Latein. Außerdem erhielt sie den Schulpreis für besondere Leistungen im Fach Mathematik.

Anica Herter erhielt neben dem Schulpreis den Fachpreis Französisch für besondere Leistungen im Fach Französisch und den Preis der Schule für besondere Leistungen im Fach Biologie.

Anna Keßler erhielt neben dem Schulpreis den Preis der Schule für besondere Leistungen im Fach Musik.

Alexander Struve erhielt neben dem Schulpreis den Preis der Stiftung „Humanismus Heute“ für herausragende Leistungen im Fach Latein, den Abiturientenpreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker für herausragende Leistung im Fach Chemie und den Abiturpreis Mathematik der Deutschen Mathematiker Vereinigung für exzellente Leistungen und großes Engagement im Fach Mathematik.

Tami Gibson erhielt neben dem Schulpreis den Lingua Franca Preis der Schule für besondere Leistungen im Fach Englisch und den Preis der Schule für besondere Leistungen in Mathematik.

Jennifer Brotzmann erhielt neben dem Schulpreis den Fachpreis Spanisch für besondere Leistungen im Spanischabitur und den Abiturpreis Mathematik der Deutschen Mathematiker-Vereinigung für exzellente Leistungen und großes Engagement im Fach Mathematik.

Tim Stolberg erhielt neben dem Schulpreis den Schulpreis der Freiburger Goethe-Gesellschaft für ungewöhnliche Leistungen und besonderes literarisches Engagement im Fach Deutsch, den Schülerpreis des deutschen Spanischlehrerverbandes für besondere Leistungen im Fach Spanisch, den SMV-Preis und den Preis der Schule für außergewöhnliche Leistungen im Bereich Theater.

Tom Körner erhielt neben dem Schulpreis den Physik –Preis d. Deutschen Physik. Gesellschaft, den

Abiturpreis Mathematik der Deutschen Mathematiker-Vereinigung für exzellente Leistungen und großes Engagement im Fach Mathematik und den besonderen Ferdinand Porsche-Preis.

Weitere Preisträger:

Schulpreis der Freiburger Goethe-Gesellschaft für ungewöhnliche Leistungen und besonderes literarisches Engagement im Fach Deutsch: Naima Humpert, Julia Olbrich

Preis der Stiftung „Humanismus Heute“ für herausragende Leistungen im Fach Latein: Naima Humpert, Stella Marino, Finn Ost

Fachpreis Spanisch für besondere Leistungen im Spanischabitur: Stella Marino, Giulian Milan, Charlotte Nibbenhagen, Charlotte Sigel

Fachpreis Französisch für besondere Leistungen im Fach Französisch: Giulian Milan

Preis der Schule für besondere Leistungen im Fach Biologie: Rayan Mecho, Julia Olbrich, Maren Zehner

Abiturientenpreis der Gesellschaft Deutscher Chemiker für herausragende Leistung im Fach Chemie: Finn Ost

Physik –Preis d. Deutschen Physik. Gesellschaft: Elias Jedam

Abiturpreis Mathematik der Deutschen Mathematiker-Vereinigung für exzellente Leistungen und großes Engagement im Fach Mathematik: Elias Jedam

Preis der Schule für besondere Leistungen in Mathematik: Julia Olbrich, Maren Zehner

SMV-Preise: Stella Marino, Alexander Sembritzky, Charlotte Sigel

Preis des Vereins der Freunde für besonderes Karina Hofstetter

Engagement in der Schulgemeinschaft: Stella Marino

Preis der Schule für außergewöhnliche Leistungen im Bereich Theater: Charlotte Nibbenhagen

Liste aller AbiturientInnen:

Antonia Anders, Bjarne Bartl, Nabi Bauermeister, Suad Berisha, Alexander Bissinger, Elias Bleckmann, Jennifer Brotzmann, Maurits Brouwers, Aleah de Haën, Maja Eichstädt, Daniel Eidemüller, Niclas Freyler, Tami Gibson, Pascal Göhringer, Anica Herter, Karina Hofstetter, Mika Holm, Naima Humpert, Janik-Finn Janzing, Elias Jedam, Anna-Maria Kaiser, Josie Kaiser, Anna Keßler, Tom Körner, Selina Ku?cu?k, Stella Marino, Rayan Mecho, Florentine Meyer-Hartung, Giulian Milan, Charlotte Nibbenhagen, Linus Nübling, Julia Olbrich, Finn Ost, Diego Rey-Diez, Jan Ronge, Nina Rosenlicht, Mustafa Salman, Robin Schakeit, Elena Schuber,Mara Schübl, Alexander Sembritzki, Njomza Shabani, Charlotte Sigel, Robert Simani, Riccardo Starcenko, Tim Stolberg, Alexander Struve, Jessica Tran, Niklas Treiber, Max Walk, Valerie Weiß, Maren Zehner, Liam Ziemer

Text und Fotos: Nicole Steinbach